Landkreis Holzminden (red). LoRaWAN – das klingt zunächst wie ein neuer Impfstoff, ist aber die Abkürzung für das neueste technische Upgrade im Landkreis Holzminden. LoRaWAN, kurz für „Long Range Wide Area Network“, bezeichnet ein Funknetzwerk, bei dem kleine Datenpakete über weite Strecken von mehreren Kilometern übertragen werden können. Gemeinsam mit dem regionalen kommunalen Energieversorger Westfalen Weser baut der Landkreis Holzminden derzeit ein solches Netzwerk für das gesamte Kreisgebiet auf. Die Zusammenarbeit soll eine flächendeckende Abdeckung des Funknetzes gewährleisten. Hier ein Überblick darüber, was hinter dem System steckt – und welche Vorteile es bietet.
Was ist LoRaWAN?
Beim Funknetzwerk LoRaWAN kommunizieren einzelne Sensoren mit Sendeantennen und übermitteln Daten über große Reichweiten. Dabei erfassen die Sensoren alle 15 Minuten relevante Werte und senden diese stündlich an die Antennen. Von dort werden sie an das Energiecontrolling übermittelt. So kann beispielsweise der tagesaktuelle Energieverbrauch kommunaler Gebäude bequem am Bildschirm abgelesen werden.
Unterschiedlichste Sensoren können in diesen Prozess eingebunden werden – etwa an Strom-, Gas- oder Wasserzählern. Da nur kleine Datenmengen übertragen werden, sind die batteriebetriebenen Sensoren besonders energieeffizient und wartungsarm: Ihre Batterien halten bis zu zehn Jahre.
Wofür wird LoRaWAN verwendet?
Kommunen können diese innovative Technik zur automatisierten Übertragung von Energie- und Zählerdaten nutzen. Das bedeutet: kein manuelles Ablesen mehr und keine aufwendige händische Auswertung. Die kontinuierliche Datenerfassung liefert detaillierte Informationen über den Energieverbrauch und ermöglicht gezielte Einsparmaßnahmen.
„Die Kommunen müssen sparen“, betont Kreisbaurat Ralf Buberti. „Deshalb ist Energiemanagement ein wichtiger Punkt. So können wir die Energieeffizienz verbessern und Nachhaltigkeitsziele erreichen.“
Auch andere Bereiche profitieren von der Technik, etwa Flotten- oder Abfallmanagement, Parkleitsysteme oder das Kreisarchiv – dort dient sie zur täglichen Luft- und Temperaturkontrolle. Zudem liefert LoRaWAN wichtige Umweltdaten wie Feinstaub, Raumluftqualität, Wasserstände oder Bodenfeuchte, mit deren Hilfe potenzielle Gefahren frühzeitig erkannt werden können.
Neben Kommunen, Industrie und Handwerk können auch Privatpersonen profitieren: LoRaWAN-Sensoren unterstützen in Smart-Home-Systemen eine intelligente Energieüberwachung und Haussteuerung. Und das Beste: Ist das Funknetz einmal aufgebaut, können Bürgerinnen und Bürger es kostenfrei nutzen.
Wie ist der aktuelle Stand?
Die Stadt Holzminden ist als Standortpartner beteiligt. Der Netzaufbau erfolgt durch Westfalen Weser und soll auf die umliegenden Ortsteile ausgeweitet werden. Derzeit werden Antennengateways an städtischen Gebäuden installiert, um eine möglichst große Reichweite und Netzabdeckung sicherzustellen. Bereits zehn Sendeantennen wurden an kreiseigenen Liegenschaften wie Schulen, Verwaltungsgebäuden oder Sporthallen angebracht.
Der Netzausbau verläuft zwar weitgehend reibungslos, herausfordernd sind jedoch aktuell die Beschaffung der Sensoren sowie die Programmierung der Schnittstellen zwischen den Antennen und der Gebäudeverwaltung.
Eine zentrale Rolle im Projekt spielt die neu geschaffene Stelle der Energiemanagerin. „Wir sind froh, dass diese durch die Förderung aus der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz finanziert wird“, freut sich Landrat Michael Schünemann. „Der Bund trägt 90 Prozent der Kosten über eine Laufzeit von drei Jahren.“