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Freitag, 20. März 2026 Mediadaten Fankurve
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Homburg Apotheke in Stadtoldendorf: Inhaber Sebastian Friedrichs (vorne) und sein Team machen mit verschränkten Armen auf den Protesttag der Apothekerschaft am 23. März aufmerksam.

Landkreis Holzminden (red). Am Montag, 23. März 2026, bleiben die Apotheken in Niedersachsen und somit auch im Landkreis Holzminden geschlossen. Die Versorgung erfolgt an diesem Tag ausschließlich über die notdiensthabenden Apotheken. Hintergrund ist ein bundesweiter Protesttag der Apothekerschaft, mit dem auf die wirtschaftliche Lage der Apotheken aufmerksam gemacht werden soll. 

Forderungen und Kritik an der Politik

Die Apothekerschaft sieht sich nach eigenen Angaben zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Für jede abgegebene Medikamentenpackung erhalten Apotheken derzeit ein festgelegtes Honorar von 8,35 Euro. Dieser Betrag sei seit 2013 unverändert geblieben, während die Kosten deutlich gestiegen seien.

Sebastian Friedrichs von der Homburg Apotheke aus Stadtoldendorf erklärt dazu: „Wir bekommen pro abgegebener Medikamentenpackung einen Fixbetrag von 8,35€ als Honorar. Dieser Betrag wurde seit 2013 nicht erhöht. Unsere Fixkosten sind im selben Zeitraum aber um über 65% gestiegen! Angepasst an die Inflation müsste das Honorar mittlerweile statt 8,35€ bei mindestens 12€ liegen.“

Mit Blick auf politische Zusagen ergänzt er: „Nach zahllosen Gesprächen mit Politikern aller Parteien aus allen möglichen Parlamenten und Gremien wurde uns im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung nun immerhin eine Erhöhung auf 9,50€ zugesprochen. Doch ausgerechnet auf dem Deutschen Apothekertag betrat Bundesgesundheitsministerin Warken die Bühne, nahm die Zusage mit dem Verweis auf die klammen Kassen zurück und verschob die Erhöhung auf unbestimmte Zeit. Gleichzeitig setzt sie mit einer neuen Reform auf Aufweichung des bisherigen Systems (Apotheken ohne Apotheker) und immer neuen Aufgaben für die Apotheken (Präventionsmaßnahmen, Impfen, Gesundheitschecks).“

Deutlich wird Friedrichs auch in seiner Bewertung der Entwicklung: „Dass die Honorarerhöhung auf unbestimmte Zeit verschoben wird, aber gleichzeitig das Apothekensystem reformiert werden soll, zeigt, dass das Apothekensterben (über 2000 geschlossene Apotheken in den letzten 5 Jahren) politisch gewollt ist. Die Politik lässt die Apotheken im Stich. Der Verweis auf die kritische finanzielle Lage der Krankenkassen ist eine faule Ausrede und lässt Schlimmeres vermuten, denn im nächsten Jahr wird die Finanzlage nicht besser sein.“

Auswirkungen auf die Versorgung

Nach Angaben des LAV geht die Zahl der Apotheken auch in Niedersachsen deutlich zurück. Dies habe unmittelbare Folgen für die Bevölkerung: längere Wege, längere Wartezeiten und eingeschränkte Öffnungszeiten.

Der stellvertretende LAV-Vorstandsvorsitzende Germeshausen warnt: „Die Politik muss jetzt ihr Versprechen halten! Tut sie es nicht, werden weitere Kolleginnen und Kollegen ihre Betriebe schließen und die Patientinnen und Patienten vor Ort darunter leiden, weil sich ihre Versorgungslage weiter verschärft.“

Auch aus Sicht der Apothekerinnen und Apotheker vor Ort ist die Situation angespannt. Friedrichs schildert ausführlich: „Alle Apotheker/Apothekerinen und ihre Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen sind maßlos enttäuscht über das Agieren der Politik. Man hat uns mit der Absage der im Koalitionsvertrag zugesicherten Honorarerhöhung in einer Art und Weise vorgeführt, die in der Form bislang einzigartig war und wir mussten einsehen, dass aller Zuspruch nichts weiter als leere Worte, bestenfalls Lippenbekenntnisse und Ruhigstellen waren.“

Er ergänzt mit Blick auf die betriebliche Situation: „Gerade als noch relativ neuer Inhaber einer Apotheke erlebe ich die aktuelle Situation als zunehmend belastend. Seit Jahren steigen unsere Kosten für Personal, Energie und Beschaffung, während die Vergütung für unsere Leistungen unverändert geblieben ist. Das bringt viele Betriebe wirtschaftlich an die Grenze.“

Zugleich verweist er auf die Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem: „Wir stehen jeden Tag in direktem Kontakt mit Patientinnen und Patienten, sichern die Arzneimittelversorgung vor Ort und übernehmen wichtige Aufgaben im Gesundheitssystem. Damit wir das auch in Zukunft leisten können, brauchen wir endlich verlässliche und faire Rahmenbedingungen.“

Auch Mathias Orth von der Rosen-Apotheke in Holzminden verweist auf die Bedeutung des Protesttages. Es handele sich um die erste Chance auf eine Honorarerhöhung seit 2013. „Es protestieren nur Inhaber. Auch wir werden mit einem Teil des Teams nach Hannover fahren und protestieren“, so Orth. Seine Apotheke bleibe jedoch geöffnet, da seine Apotheke für den Notdienst zuständig sei.

Appell an die Politik

Der Protesttag sei laut Apothekerschaft ein notwendiges Signal. Friedrichs betont: „Der Protesttag ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein notwendiges Signal an die Politik: Wenn sich nichts ändert, wird es immer weniger Apotheken geben – mit spürbaren Folgen für die Versorgung der Menschen, gerade im ländlichen Raum. Denn wir beklagen gerade auch im ländlichen Raum Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Aber wie soll sich denn daran etwas ändern, wenn die Politik uns so im Stich lässt und vernachlässigt?“

Foto: Homburg Apotheke

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