Holzminden (red). Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag, Konstantin Kuhle, hat jetzt Stiebel Eltron in Holzminden besucht. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Dr. Kai Schiefelbein, war insbesondere die aktuelle Marktschwäche im Wärmepumpenbereich ein Thema – und die sich daraus für das heimische Unternehmen ergebenden Folgen.

„Die Absatzzahlen im deutschen Heizungsmarkt insgesamt und speziell im Wärmepumpenbereich sind in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich zurückgegangen“, erläuterte Dr. Kai Schiefelbein und präsentierte die aktuellen Daten des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie (BDH) für das erste Quartal 2024. „Mit einem Minus von 52 Prozent zum Vorjahr trifft es die Wärmepumpen mit am stärksten – was uns als reinen Wärmepumpenanbieter natürlich besonders trifft.“ Deswegen habe man diverse Maßnahmen ergreifen müssen: Sachkosten wurden gesenkt, Investitionen soweit möglich verschoben und für einen Großteil der Beschäftigten wurde Kurzarbeit eingeführt. „Dabei sind die Voraussetzungen für ein Anziehen des Marktes eigentlich gegeben“, so Schiefelbein, „mit dem GEG liegt ein klarer gesetzlicher Rahmen vor, die Wärmepumpe wird explizit als eine Erfüllungsoption der Vorgaben genannt. Dazu kommt eine äußerst attraktive Förderkulisse: Bis zu 70 Prozent der Investitionskosten für den Heizungstausch werden vom Staat übernommen. Und schließlich gibt es ein sehr attraktives KfW-Kreditangebot: Bis zu 120.000,- Euro können zu einem Zinssatz ab 0,01 Prozent in Anspruch genommen werden, die jederzeit ganz oder teilweise ohne Vorfälligkeitsentschädigung sondertilgbar sind. Alles in allem also beste Voraussetzungen, jetzt den Umstieg anzugehen.“

Auf die Nachfrage des FDP-Politikers, der zusammen mit weiteren lokalen Parteikollegen das Unternehmen besuchte, welche Gründe es dann noch für die Zurückhaltung der Endkunden gäbe, antwortete Kai Schiefelbein: „Zum einen spielen sicher die scheinbar unproblematische Versorgung mit Erdgas sowie der mittlerweile wieder relativ niedrige Preis für den fossilen Brennstoff eine Rolle, insbesondere in Verbindung mit einem relativ hohen Strompreis. Das Verhältnis von Strom-zu-Gaspreis ist unserer Erfahrung nach ausschlaggebend, für die Entscheidung des Hausbesitzers für oder gegen den Wechsel: Kostet die Kilowattstunde Strom maximal 2,5 - mal so viel wie die Kilowattstunde Gas, ‚lohnt‘ sich nach Ansicht der Endkunden die Wärmepumpe im Betrieb, bei einem Verhältnis von 3 oder mehr jedoch nicht. Dabei belegen diverse Studien, dass der Wechsel auf eine Wärmepumpe bei zu erwartenden deutlichen Preissteigerungen für fossile Brennstoffe über den Nutzungszeitraum insgesamt günstiger ist als eine fossile Heizung – aber die Entscheidung wird eben oft aus kurzfristiger Sicht gefällt. Darüber hinaus wurde das Image der Wärmepumpe massiv beschädigt durch die teilweise sehr unsachliche Diskussion rund um das GEG im vergangenen Jahr. Wir würden uns wünschen, dass die Politik nun ganz deutlich kommuniziert: Ein sofortiger Umstieg auf die Wärmepumpe ist die richtige Entscheidung. Damit macht man aktuell nicht nur nichts falsch, sondern im Gegenteil mittel- und langfristig alles richtig. Wenn darüber hinaus noch das Verhältnis von Strom-zu-Gaspreis attraktiver wird – beispielsweise durch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf den Strom – würde das sicher einen großen Effekt bringen.“

Konstantin Kuhle stimmte mit Kai Schiefelbein überein, dass eine langfristig verlässliche Förderung ein wichtiges Signal für den Endkunden und damit den Wärmepumpenmarkt ist. Dass der Fachhandwerker oder ein anderer Dienstleister nicht vom Endkunden beim Thema Förderung bevollmächtigt werden könnten, um den Zugang zur Bundesförderung Energieeffiziente Gebäude (BEG) und damit den Umstieg auf eine Wärmepumpe so einfach wie möglich zu gestalten, sei unglücklich. „Es gibt gute Beispiele aus anderen Bereichen, dass eine solche Vollmachtenregelung sehr gut funktioniert und absolut sinnvoll ist“, so der FDP-Politiker. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer auch darüber, dass angesichts der immensen Investitionen der Wärmepumpenindustrie, auch von Stiebel Eltron, eine zielgerichtete Industriepolitik für heimisch produzierende Unternehmen seitens der Politik, zum Beispiel in Form von Bürgschaften, dringend notwendig ist.

Foto: Stiebel Eltron