Albaxen (TKu). Zweitaktmotor-Geknatter, der Duft von Benzingemisch und zahlreiche historische Mopeds: Die Heinser Fittschen und ihre Zweitakt-Freunde waren am Wochenende in der Region kaum zu übersehen. Von Freitag bis Sonntag fand auf der Tonenburg bei Albaxen die zweite Auflage des Zweitakt-Treffens „Vorhofflimmern“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Heinser Fittschen.
Rund 150 Mopeds auf der Tonenburg
Das dreitägige Programm bot den Teilnehmenden deutlich mehr als die Präsentation ihrer Fahrzeuge. Neben gemeinsamen Ausfahrten standen ein Discoabend, ein Feuerwerk, gesellige Stunden sowie ein gemeinsames Frühstück auf dem Programm. Bereits am Freitag reisten die ersten Zweitaktfreunde an. Sie nutzten das Treffen zum Austausch über Technik, Restaurierungen und die gemeinsame Leidenschaft für historische Zweiräder.
„Bis zu 200 Leute und rund 150 Mopeds waren an diesem Wochenende mit dabei“, berichtet Benjamin Flor, erster Vorsitzender der Heinser Fittschen. Die weiteste Anreise nahm ein Teilnehmer aus Aschaffenburg auf sich. Für viele Besucher gehört die familiäre Atmosphäre inzwischen ebenso zum „Vorhofflimmern“ wie die historischen Fahrzeuge selbst.
Große Ausfahrt führt über den Köterberg
Höhepunkt des Wochenendes war die große Ausfahrt am Samstag. Die rund 50 Kilometer lange Strecke führte über den Köterberg, wo ein Kontrollpunkt eingerichtet war. Dort mussten die Fahrer ihre Stempelkarten abstempeln lassen, bevor es zurück zur Tonenburg ging. Die Route führte durch zwei Bundesländer und drei Landkreise und bot den Teilnehmenden Ausblicke auf das Weserbergland.
Um die Sicherheit auf der Strecke zu gewährleisten, starteten die Fahrerinnen und Fahrer in Gruppen von jeweils etwa 15 Personen. Alle drei Minuten wurde eine weitere Gruppe auf die Strecke geschickt. So konnten die Teilnehmenden die Tour entspannt genießen, während größere Verkehrsbehinderungen vermieden wurden.
Technik, Erinnerungsfotos und historische Zweiräder
Auch abseits der Ausfahrt gab es für die Besucher viel zu entdecken. Ein Leistungsprüfstand ermöglichte es, die tatsächliche Motorleistung der Fahrzeuge zu messen. Teilehändler präsentierten ihr Sortiment, Lackierer zeigten ihre Arbeit und eine Matchbox-Fotobox sorgte für originelle Erinnerungsfotos. Die Mischung aus Technik, Unterhaltung und Gemeinschaft prägte den besonderen Charakter der Veranstaltung.
Unter den Teilnehmern befand sich auch Rainer Menze aus Lemgo. Der 54-Jährige war mit seiner Florett aus dem Baujahr 1961 angereist und zog damit viele Blicke auf sich. Besonders stilecht erschien er durch seine Kleidung: Menze trug einen originalen grauen Motorradmantel aus dem Jahr 1958 sowie eine Römer-Halbschale aus etwa derselben Zeit. Sein Moped begleitet ihn bereits seit seinem 18. Lebensjahr. Zum Treffen kam er gemeinsam mit seinem Sohn, der mit einer Simson unterwegs war. Für viele Besucher stand dieses Vater-Sohn-Gespann beispielhaft für die generationsübergreifende Begeisterung in der Zweitakt-Szene.
Spenden für soziale Projekte
Neben der Leidenschaft für Motoren und Technik verfolgen die Organisatoren auch ein soziales Ziel. Während des gesamten Wochenendes wurden erneut Spenden gesammelt. Der Erlös soll voraussichtlich wieder für Grillaktionen in Seniorenheimen verwendet werden. Dabei kümmern sich die Vereinsmitglieder nicht nur um Speisen und Getränke für die älteren Menschen, sondern verbringen bewusst Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.
Die Heinser Fittschen sind für ihr gesellschaftliches Engagement inzwischen weit über die Region hinaus bekannt. Der Verein entstand aus einer Idee, die 2022 an einem Lagerfeuer geboren wurde. Ursprünglich wollten einige Freunde gemeinsam mit ihren Mopeds nach Mallorca fahren, erklärt Benjamin Flor. Aus dieser spontanen Idee entwickelte sich eine feste Gemeinschaft. 2023 wurde der Verein offiziell gegründet. Heute zählt er 48 Mitglieder und verfügt über zahlreiche liebevoll gepflegte Zweitaktfahrzeuge.
Zu den regelmäßigen Aktivitäten gehören Ausfahrten durch das Weserbergland, wöchentliche Schraubertreffen im vereinseigenen „Headquarter“, Restaurierungsprojekte sowie verschiedene Charity-Aktionen. Neben Grillveranstaltungen für Senioren engagieren sich die Mitglieder unter anderem bei Baumpflanzaktionen, unterstützen regionale Initiativen und beteiligen sich an Projekten für Kinder und Bedürftige. Auch die Unterstützung der Aktion Löwenmama gehört zum sozialen Engagement des Vereins.
Darüber hinaus sind die Heinser Fittschen für außergewöhnliche Touren bekannt. Nach der Vereinsgründung machten sie 2023 mit einer dreiwöchigen Mopedreise nach Barcelona auf sich aufmerksam. Das ursprüngliche Reiseziel Mallorca war wegen der Überfahrt mit einer Fähre wieder verworfen worden. Nach einem gemeinsamen Frühstück endete das „Vorhofflimmern 2.0“ am Sonntag gegen Mittag.
Fotos: Thomas Kube und Marcus Friebel