Delligsen (red). Vereine und Kommunalpolitik leben vom Engagement Ehrenamtlicher. Vorstände, Feuerwehren und politische Gremien sind darauf angewiesen, dass Menschen neben ihrem Beruf Zeit investieren, um sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Ob im Sportverein, in der Kirche, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder in der Kommunalpolitik – ohne dieses Engagement würde das gesellschaftliche Leben vielerorts nicht funktionieren.
Ein Beispiel dafür ist der Delligser Artur Lange, der sich über Jahrzehnte hinweg ehrenamtlich engagierte und zahlreiche Funktionen übernahm. Am heutigen 27. Mai wird Lange 90 Jahre alt und blickt auf viele aktive Jahre zurück.
Einstieg über den Tischtennissport
Begonnen habe alles mit dem Tischtennis. Zunächst war Lange selbst aktiver Spieler. Im Jahr 1957 wurden sowohl ein Spartenleiter im Delligser Sportclub als auch ein Nachfolger für den Schriftführer im Tischtennisverband des Kreises Alfeld gesucht. Lange erklärte sich bereit, beide Aufgaben zu übernehmen. „Wenn man dann erst einmal angefangen hat, dann bekommt man nach und nach den nächsten Posten, wie in meinem Fall die Staffelleitung“, erzählt Lange schmunzelnd.
Auch in der evangelischen Kirche engagierte sich Lange über viele Jahre hinweg. Rund 40 Jahre gehörte er dem Kirchenvorstand in Delligsen in verschiedenen Funktionen an, zuletzt von 1998 bis 2000 als Vorsitzender. „Vom Elternhaus wurde ich an die Kirche in Delligsen herangeführt. Nach der Konfirmation habe ich weiterhin aktiv dort mitgearbeitet und in ganz jungen Jahren ging es dann auch damit los, dass man mitwirken wollte. In der Kirche engagieren sich oft leider nicht so viele Menschen“, berichtet Lange.
Vorsitzender in mehreren Vereinen und Verbänden
Nicht nur dem Kirchenvorstand stand Lange als Vorsitzender vor. Elf Jahre leitete er den Delligser Sportclub und 13 Jahre den CDU-Gemeindeverband Delligsen. „Meine Frau blickt auf die Zeit immer so zurück: ‚Du warst ja nie zu Hause‘. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten und ich war ständig unterwegs, während sie sich um die Familie gekümmert hat“, erinnert sich Lange.
Als Mitglied des Gemeinderates und des Kreistages war er zudem an politischen Entscheidungen beteiligt, etwa beim Neubau des Kindergartens. „Laufend hat man schöne Dinge mit den Kindern erlebt. Zu besonderen Geburtstagen sind viele Kinder aus den Kindergartengruppen zu mir gekommen und haben hier Lieder vorgetragen. Das ist dann auch eine Belohnung für die ganze ehrenamtliche Arbeit“, sagt Lange.
Als größten politischen Erfolg betrachtet er die Wiedervereinigung Deutschlands, da auch seine Familie von der Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland betroffen gewesen sei.
Kritik an gesellschaftlicher Entwicklung
Doch Ehrenamt sei nicht immer nur angenehm gewesen. Als Vorsitzender des Kreissportgerichts in Holzminden habe er sich auch gegen Korruption behaupten müssen. Dabei hätten teilweise sportliche Zukunftsperspektiven junger Menschen auf dem Spiel gestanden.
Auch die Entwicklung des Delligser Sportclubs wurde durch Lange maßgeblich geprägt. Unter seinem Vorsitz stiegen die Mitgliederzahlen auf mehr als 1000 Mitglieder. Zudem wurde das Sportheim am Hartplatz gemeinschaftlich errichtet.
Kritisch sieht Lange die heutige gesellschaftliche Entwicklung. „Die heutige Generation möchte nur etwas haben, aber nichts dafür tun. Aus der Lebenserfahrung kann ich sagen, dass es schön ist, wenn man etwas dazu beitragen kann, dass ein Verein wächst und es gut in einem Verein läuft“, sagt Lange. Gleichzeitig nimmt er auch ältere Generationen in die Verantwortung: „Wir Älteren haben diese Zeiten ja auch so herbeigeführt. Den Kindern sollte es immer besser gehen. Das ist heute noch immer das Ziel, aber das Ergebnis ist natürlich traurig.“
Appell für mehr Engagement junger Menschen
Deshalb appelliert Lange an jüngere Menschen, sich stärker gesellschaftlich und politisch einzubringen. „Für die Freiheit muss man immer kämpfen, deswegen sollte man sich auch politisch engagieren“, betont er.
Heute blickt Artur Lange mit Stolz auf seine jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit zurück. Erst im vergangenen Jahr wurde er für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr und in der CDU ausgezeichnet. Nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat im Jahr 2011 wurde er 2012 zum Ehrenratsmitglied in Delligsen ernannt.
Foto: Eileen Stiehler