Landkreis Holzminden. Die Liste der Fehlentscheidungen des Landkreises scheint sich immer mehr fortzusetzen. Die doppelten Müllverträge, die von den Gerichten abgeschmetterten Kündigungen im Straßenverkehrsamt, die besorgniserregende hohe Verschuldung, das anscheinend immer noch wachsende Defizit im Haushalt und nun die unendliche Fortsetzung in Sachen Schulentwicklung, wozu u.a. auch zählt, dass man die OBS Bevern zu einer Außenstelle von Holzminden machen will. Wohin soll dies nur führen? Zur Auflösung des Landkreises?

Etwa 200 Personen haben letzten Donnerstag (mit wenigen Ausnahmen) beeindruckend zum Ausdruck gebracht, dass es sich bei der Entscheidung um die Schulschließung der OBS Bodenwerder um eine katastrophale Fehlentscheidung des Kreistages handelt. Dies gilt auch für die Entscheidung, die wohl als Brennpunktschule anzusehende OBS Stadtoldendorf schließen zu wollen. Jahrelanges Nichtinvestieren in die beiden Oberschulen Bodenwerder und Stadtoldendorf haben natürlich Investitionsrückstände hervorgerufen. Die Frage am letzten Donnerstag, wo wohl die vorhandenen Mittel (z.B. aus der Kreisschulbaukasse) angewandt wurden, haben die anwesenden Kreistagsabgeordneten leider nicht beantworten können. Schade eigentlich.

Wie aus dem TAH vom 3. Februar zu entnehmen ist, muss eine IGS laut Gesetz vierzügig sein, man rechnet also mit vier Klassen je Jahrgang. Fakt ist, dass der Landkreis wohl nun über 20 Mio. Euro in eine Schule investieren will, die anscheinend keine ausreichenden Jugendlichen sehen wird. Dazu möchte ich anmerken, dass die Kosten bei einer Sanierung der OBS Stadtoldendorf durch vorhandene Infrastruktur und Freiflächen billiger wäre (WIN Leserbrief von Jens Siebeneicher, 22.12.2021). Denn die Aussagen am 1. Februar in Bodenwerder waren von den Anwesenden (einige Kreistagspolitiker ausgenommen) eindeutig. Herr Bürgermeister Dornette brachte diese Auffassung auf den Punkt. Er sagte (nachzulesen in der zuvor genannten TAH-Ausgabe): „Doch was ist, wenn die Schüler aus Bodenwerder abwandern in den Kreis Hameln-Pyrmont? Gibt es dann noch eine IGS in Eschershausen?“

Dies ist übrigens auch die Auffassung vieler Eltern in und um Stadtoldendorf. Bereits jetzt fahren, aufgrund des jahrelangen Totredens der OBS in Stadtoldendorf, viele Jugendliche nach Dassel (auch zur dortigen OBS) zur Schule.

Diese Schülerinnen und Schüler und jene, die demnächst noch vermehrt die Schulen im Landkreis Hameln-Pyrmont oder Landkreis Northeim aufsuchen, sind erst einmal für den Landkreis Holzminden verloren. Über die Auswirkungen scheinen sich die Gewerbebetriebe im Landkreis langsam Gedanken zu machen, aber wohl kaum der Kreistag.

Wäre es da nicht sinnvoll, Fragestellungen nach den Verantwortlichen für derartiges Handeln aufzurufen? Denn eins steht fest: Eine durch die unnötigen und fehlerhaften Schulstrukturentscheidungen veranlasste höhere Kreisumlage und der Beiträge zur Schulbaukasse werden die Kommunen des Kreises kaum noch aufbringen können. Sie sind jetzt bereits am Limit. Damit bleiben nicht nur wichtige Projekte in den Samtgemeinden liegen, sondern auch vor allem Projekte zur Förderung der Jugend. Es wäre auch nicht richtig, über den Umweg von Steuern, uns Steuerzahlern wieder in die Kasse zu greifen. Vielleicht wäre die anstehende Entscheidung nicht nur eine Frage nach der künftigen Landkreis-Zugehörigkeit, die in Bodenwerder bereits angeklungen ist, sondern auch eine Frage der Haftung von Kreistagsabgeordneten, denn jene Personen sollten eigentlich wissen, über was sie entscheiden und was sie auslösen.

Und noch eins: Haben sich die Kreistagsabgeordneten schon mal in die Lage der Jugendlichen versetzt? Viele von Ihnen benötigen für ihre Entwicklung kleine übersichtliche Schulstrukturen und dies kann eine große IGS einfach nicht bieten. Und die Schulbusproblematik ist ja hinreichend bekannt. Allein von Stadtoldendorf nach Eschershausen müssten in Zukunft mehr als 200 Jugendliche, also drei bis vier Busse, zusätzlich befördert werden. Dies dürfte in Bodenwerder ähnlich aussehen. In Zeiten, in denen wir über CO2 – Einsparungen nachdenken, ist dies extrem kontraproduktiv.

Denken Sie über diese Entscheidungen dringend nach! Die Jugend darf diese Zeche nicht bezahlen, weder durch ein mangelndes Bildungsangebot, noch später in den Steuern!

Nehmen Sie ihre Kirchtürme (damit verbundene Ansichten) bitte wieder mit in Ihre Ortschaften und Handeln sie im Sinne des Landkreises, seiner Bevölkerung und am wichtigsten, seiner Jugend!

Tobias Teßmer, Stadtoldendorf

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