Hameln (red). Meteorologisch betrachtet ist bereits Sommer – seit dem 1. Juni. Am Wetter spürt man die neue Jahreszeit allerdings noch nicht. Über das Regenwetter der letzten Tage freuen sich einige tierische Mitbewohner allerdings sehr: Die Mehlschwalben suchen in Pfützen und Schlammbereichen fleißig nach Baumaterial für ihre Lehmnester.

Die Lehmnester bestehen aus bis zu 1500 gesammelten Lehmkügelchen. Die Vögel nutzen Dach- und Fassadenvorsprünge an Gebäuden, um darunter ihre runden, beinahe geschlossenen Niststätten zu bauen. Vielen Hausbesitzern sind die Schwalbennester an ihren Hausfassaden ein Dorn im Auge. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hameln weist jedoch darauf hin: Die Mehlschwalbe ist eine nach Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Art, ihre Nester stehen ganzjährig unter Schutz. Auch, wenn die Tiere ab September in ihre Winterquartiere ziehen, dürfen die Nester nicht entfernt werden. Das Entfernen oder Abschlagen von Schwalbennestern ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit hohen Geldbußen bis hin zu Strafverfahren geahndet werden.

Für Hausbesitzer, die sich über Vogelkot an der Fassade ärgern, gibt es dennoch Lösungen: So bietet beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) Bauanleitungen für sogenannte Kotbrettchen an, die Gebäude vor Verschmutzung schützen. Und auch, wer die Sommermonate für eine Fassadenrenovierung nutzen möchte, kann etwas zum Schwalbenschutz beitragen: Mehlschwalben freuen sich über Kunstnester als Ersatz-Nistplatz, die beispielsweise an benachbarten Gebäuden angebracht werden können. Das Gesetz sieht solche künstlichen Nester für jedes aufgrund von Fassadenerneuerungen, Renovierungsarbeiten oder Gebäudeabriss beseitigte Nest von Schwalben, aber auch von anderen betroffenen Tierarten wie Rauchschwalben, Hausrotschwänzen oder Fledermäusen, sogar explizit vor. Ein solcher „Umzug“ muss vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden.

Bei weiteren Fragen zum Schwalbenschutz können sich Hausbesitzer an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hameln wenden: per E-Mail an die Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch an 05151/202-1471 oder -1425 anrufen.

Die Mehlschwalbe wird bis zu 15 Zentimeter groß. Die Art gilt als Sommerbotin, ihre Rückkehr aus dem Winterquartier südlich der Sahara läutet bei uns die warme Jahreszeit ein. Auch wenn die Mehlschwalbe mit einem Gesamtbestand von rund 10 Millionen Brutpaaren noch immer zu den häufigsten Vögeln Mitteleuropas zählt, geht ihr Bestand kontinuierlich zurück. In Deutschland gibt es heute zwischen 820.000 und 1,5 Millionen Brutpaare.

Foto: Stadt Hameln